Konzept Zusammenarbeit


Ein Konzept der Zusammenarbeit mit dem Schwerpunkt
 „Sprachförderung in der Vorschularbeit"

10.10.2007




1. Politischer Hintergrund oder: Warum begann die Zusammenarbeit?
2. Phonologische Bewusstheit
3. Organisation der Zusammenarbeit
4. Räumliche Voraussetzungen
5. Ablauf eines Vorschuljahres
6. Ziele der gemeinsamen Vorschularbeit
7. Erfahrungen aus der bisherigen Zusammenarbeit 




1. Politischer Hintergrund oder: Warum begann die Zusammenarbeit? 


„Eine gute Sprachförderung ist der beste Grundstein für eine erfolgreiche Schulbildung.“ (Schule aktuell Juli/August 2005) Ziel ist es, dass alle Kinder bei der Einschulung über ausreichende deutsche Sprachkenntnisse, einen guten Wortschatz und eine richtige und deutliche Aussprache verfügen, damit ein guter Schulstart gelingt.Mit diesen Aussagen des Ministeriums gehen die Forderungen nach einer Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule einher. Durch rechtzeitige Beobachtung im Kindergarten soll beim Einschulungsgespräch eine Sprachstandseinschätzung vorliegen, um bei Defiziten rechtzeitig eine Maßnahme zu beginnen. Liegen Sprachdefizite vor, sollen die Schüler verpflichtend an einer Maßnahme teilnehmen, die eine Sprachintensivförderung durchführt (SPRINT) .Als Grundstein für alle Vorschulkinder fordert das Ministerium einen Ausbau des Konzeptes der phonologischen Bewusstheit. Auf dieser Grundlage entstand im Kirchspiel Medelby die Zusammenarbeit und Kooperation von Kindergarten und Schule, die sich insbesondere um die Sprachförderung (und dadurch frühzeitiges Erkennen von Förderbedarf) und die damit verbundene phonologische Bewusstheit bemüht. 

 

2. Phonologische Bewusstheit


 
Wir verstehen unter phonologischer Bewusstheit allgemein die Fähigkeit von Kindern, die Lautstruktur der gesprochenen Sprache zu identifizieren.  Kinder zeigen dann Einsicht in die Phonologie der Sprache, wenn sie bspw. Wörter in Sätzen    oder    Silben in Wörtern unterscheiden können, Reime erkennen und auch produzieren und schließlich auch dazu in der Lage sind, Einzellaute (Phoneme) in Wörtern zu identifizieren. Die Fähigkeit, die kleinsten Elemente unserer Sprache zu erkennen, setzt voraus, dass bereits größere Strukturen wir z. B. Silben wahrgenommen werden. Unter phonologischer Bewusstheit versteht man also schließlich die Fähigkeit, einzelne Phoneme (Laute), aus denen Wörter zusammengesetzt sind, herauszuhören, zu analysieren und zu modifizieren.  Während der Entwicklung eines Kindes kommt es zunächst zu einer Ausbildung der phonologischer Bewusstheit im weiteren Sinne. Diese bezieht sich auf größere Einheiten der Sprache, z. B. auf Reime oder Silben. Später prägt sich auf dieser Basis die phonologischer Bewusstheit im engeren Sinne aus, bei der es um die kleinsten Einheiten der gesprochenen Sprache, die Phoneme (Laute) geht. Die phonologische Bewusstheit ist eine wichtige Voraussetzung für den Schriftspracherwerb. Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass sich eine Intensivförderung vor dem Schriftspracherwerb und vor der Einführung der Grapheme (verschriftlichte Laute, Buchstaben) positiv auf das Lesen und Schreiben auswirkt. Die Wirksamkeit eines Trainingsprogramms im Kindergartenalter wurde überprüft und dabei festgestellt, dass Kinder, die systematisch gefördert wurden, deutlich bessere Leistungen im Schriftspracherwerb zeigten als nicht geförderte Kinder. Das zeigt, dass die phonologische Bewusstheit trainierbar ist. Die Förderung sollte im Kindergartenalter einsetzen. Dabei sollte mit einer Förderung im weiteren Sinne begonnen werden. Sie wird immer dann gefördert, wenn gereimt wird, wenn zu Sprechsilben geklatscht wird u.v.m.Anschließend sollte systematisch auf die phonologische Bewusstheit im engeren Sinne, also die Arbeit mit den Lauten, eingegangen werden. Eine Förderung im letzten Halbjahr vor der Einschulung wäre wünschenswert. Über eine wöchentliche Förderung im Kindergarten hinaus, sind tägliche Lauschübungen und Sprech- und Kinderreime sehr wirksam und wichtig und sollten fester Bestandteil im Kindergarten werden.
 




3. Organisation der Zusammenarbeit 


Eine Erzieherin aus dem Kindergarten und eine Lehrkraft aus der Grundschule sind für die Durchführung der Vorschularbeit im Kirchspiel Medelby verantwortlich. Die Lehrkraft geht mit einer Lehrerstunde in die Vorschularbeit, die Erzieherin ist für die Vorschularbeit insgesamt 90 Minuten aus der eigenen Kindergartengruppe ausgeplant. Die Vorbereitung der wöchentlichen Vorschularbeit findet in gemeinsamer Absprache statt. Durch Schwerpunktsetzungen in den einzelnen  Bereichen findet ein Teamteaching im Vorschulunterricht statt. Vor Beginn des Vorschulunterrichts wird ein Elternabend im Kindergarten durchgeführt, um die Eltern ausführlich über Gründe, Hintergründe, Abläufe und Ziele zu informieren.Dann werden die Vorschulkinder in zwei Gruppen geteilt. An einem Tag der Woche findet der Vorschulunterricht in den Räumen des Kindergartens statt. In den ersten 45 Minuten werden die Kindergartenkinder von der Lehrkraft und der Erzieherin unterrichtet. Anschließend führt die Erzieherin den gleichen Unterricht mit der 2. Gruppe alleine durch. Durch die Teilung in zwei kleinere Gruppen können sich die Schüler schon langsam an die neuen Mitschüler und an die neue Situation, den „Unterricht“, gewöhnen. Noch wichtiger ist jedoch, dass eine Kleingruppe die Möglichkeit bietet, alle Schüler intensiv zu beobachten, Defizite und Probleme schnell zu erkennen um dann zu handeln. Alle vier Wochen wechselt die Reihenfolge der Gruppe, so dass eine Doppelbesetzung und somit Beobachtung und Förderung durch die Erzieherin und Lehrkraft gleichzeitig, auf alle Kinder gerecht verteilt ist. 
 



4. Räumliche Voraussetzungen

Kindergarten und Schule liegen benachbart auf einem Grundstück. Die Lehrkraft ist innerhalb von zwei Minuten in den Räumlichkeiten der Vorschularbeit.
Die Kindergartenkinder können aus ihren Gruppenräumen hinaus auf den Pausenhof der Schule schauen, so dass ihnen Pausenspiele, Pausenhof und Mitschüler beim Wechsel in die Schule bereits bekannt sind. Da der Kindergarten die an die Schule angegliederte Turnhalle für den Sportunterricht benutzt, ist den Schülern auch die Turnhalle zu Schulbeginn nicht fremd. Der Schulstart wird vielen Kindern dadurch sehr erleichtert.In einem Raum, der mit Kuschelecke, Teppichfliesen, Schaumstoffbausteinen und anderen Spielsachen ausgestattet ist, findet der erste Teil der Arbeit statt. Um die Schüler gut auf die Schulsituation vorzubereiten, wechseln wir anschließend den Raum, wo ein großer Gruppentisch zu Verfügung steht.  


5. Ablauf eines Vorschuljahres 

Der Vorschulunterricht beginnt vor den Herbstferien mit einer Vorstellungsrunde  und Kennenlernspielen mit allen Vorschulkindern, da viele sich untereinander noch nicht kennen.
Nach den Herbstferien beginnt dann der Unterricht in den beiden Gruppen.Nach einem ritualisierten Begrüßungslied werden verschiedene Spiele gespielt und Übungen gemacht. Bei allen Übungen und Spielen wird auf das deutliche Sprechen in ganzen Sätzen bestanden und geachtet. Ebenso werden Gesprächsregeln eingeführt und beachtet. (Wer etwas sagen möchte, muss sich melden. Wenn einer redet, hören alle anderen zu.) Während eines Vorschuljahres bauen wir den Unterricht auf die unten aufgeführten  Bausteine auf. Zusätzlich werden auch andere Themen wie Schwungübungen, Formen, Farben, Gegensätze, Artikel, Zuordnungen, Orientierung (links, rechts, oben, unten, schräg links, schräg rechts,...) Konzentrationsübungen und vieles mehr behandelt.Zusätzlich zu der wöchentlichen Vorschularbeit findet in jeder Kindergartengruppe zusätzlich Vorschularbeit statt, wo beispielsweise das Schleifebinden, der Umgang mit der Schere eingeübt wird. 


Ohrenschmaus

Sensibilisierung für auditive Reize:Hinhören, Zuhören, Heraushören, Richtungshören, Unterscheiden 

Wibbel-wabbel-wu, jetzt kommst du!

Richtiges Aufnehmen, Behalten und Wiedergeben von Reizfolgen, Sensibilisierung für die Struktur der Sprache durch Reimspiele

Ro-bi Ro-bo-ter

Direkte Hinlenkung auf Bestandteile der Sprache (Wort-und Silbenspiele) 

Kolumbus fand Amerika – du suchst jetzt nach I, O, A

Spielerische Übungen zum Unterscheiden von Lauten sowie zum Erkennen von Lauten innerhalb eines Wortes ( Analyse) 

Achtung Baustelle


Spielerische Übungen zum Zusammenziehen von Lauten zu Wörtern (Synthese)
 
Die Spiele und Übungen zu diesen Einheiten entnehmen wir größtenteils aus dem Heft von Christiane Christiansen: „Förderung der Phonologischen Bewusstheit zur Vorbeugung von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten. Übungskatalog für den Kindergarten und den Schulanfang.“ ( Herstellung und Vertrieb: Druckerei Joost, Tel: 0431 / 549434,
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst ) ).
Arbeitsbögen und Spiele zum Reimen und Silbenklatschen sowie zu Anfangs-, Mittel- und Endlauten entnehmen wir größtenteils aus einem Heft von C. Bruhn und M. Schmidt: „Materialien zur Förderung der phonologischen Bewusstheit im 1. Schuljahr“ (
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst ). Die Materialien von C. Bruhn und M. Schmidt enthalten Kopiervorlagen für Memories, Dominos, Quartette, Schnappspiele u.ä., die  für unsere Zwecke auf DIN A 3 vergrößert und laminiert wurden. Mit den laminierten Kärtchen werden dann auch zahlreiche andere Spiele wie Reime angeln, Karten nach Silbenanzahl sortieren  (Raupe füttern), Übungen zu Anfangs- und Endlauten usw. gemacht.Gegen Ende des Schuljahres hospitiert jedes Vorschulkind eine Schulstunde in der ersten oder zweiten Klasse der Grundschule, um einen Einblick zu bekommen. Vier Wochen nach der Einschulung kommen die Kindergärtner(innen), um die Erstklässler für eine Schulstunde zu besuchen. 


6. Ziele der gemeinsamen Vorschularbeit 


Mit der Einführung der gemeinsamen Vorschularbeit verfolgen die Grundschule Medelby und der Kindergarten Medelby viele Ziele.
 ·         
Defizite und Störungen (im Hören, Sprechen, Motorik, Wortschatz ...) sollen frühstmöglich erkannt und rechtzeitig behandelt werden.
·  
Sprachförderung durch Spiele und Übungen
·         
Ängste werden vermieden oder abgebaut
·         
Neugier und Freude auf die Schule
·         
Vorbereitung auf den Schriftspracherwerb durch die phonologische Bewusstheit
·         
Der Übergang von Kindergarten zu Schule soll fließend sein und soll den Schülern den Schulstart erleichtern. Alles was die Schüler zu Schulbeginn schon kennen, gibt ihnen Sicherheit und Selbstvertrauen („Ach, das kann / kenn ich schon...“)
·         
Es soll in den ersten Schulwochen keine Zeit verloren werden, um den Schülern Gesprächsregeln, Umgang miteinander, Sitzkreis, Umgang mit Arbeitsbögen (oben links beginnen wir und arbeiten von links nach rechts, von oben nach unten)
·         
Da durch die Übung der phonologischen Bewusstheit viele Grundlagen bei den Erstklässlern geschaffen wurden, was Laute, Lautstrukturen und auch bereits ein mündliches Zusammenziehen der Laute angeht (aus m und a wird ma), starten die Erstklässler mit einer ganz anderen Grundlage, die nicht erst geschaffen, sondern auf die sofort aufgebaut werden kann (Zeitersparnis)
·         
Die Schule kann sich besser auf die zukünftigen Schulkinder einstellen. Man weiß von Anfang an, wo Hilfestellung und Förderung notwendig ist.



7. Erfahrungen aus der bisherigen Zusammenarbeit 

Wir können bereits auf ein halbes Jahr Vorschularbeit zurückblicken, denn die  derzeitigen Erstklässler (Einschulung August 2006) dieser Schule wurden in zwei Gruppen ein halbes Jahr gefördert. Obwohl aus zeitlichen Gründen nicht das ganze Programm wie oben aufgezeigt, durchgeführt werden konnte, sind die Vorkenntnisse der Schüler beachtlich und erleichtern die Arbeit in der Schule sehr. Stillarbeit, Sitzkreis, Gesprächsregeln und der Umgang mit Spielen und Arbeitsbögen erscheint den Schülern selbstverständlich. Es kam für die Kinder nicht der Bruch, auf einmal muss man sich melden und aufpassen, am Tisch sitzen und still arbeiten, sondern die Schüler wurden spielerisch und kindgerecht darauf vorbereitet.  

 

 

powered by Brandt CNT (Hörup) & CtWH (Büdelsdorf) & OKR (Medelby)